Alle Nachrichten

Mediendienst-Expertise vergleicht Polizei- und Befragungsdaten zu Kriminalität

Inhalt der Nachricht

    Eine Expertise des Mediendienstes stellt polizeiliche Kriminalstatistik und Dunkelfelddaten gegenüber und ordnet Unterschiede nach Staatsangehörigkeit ein.

    Der Mediendienst Integration hat eine Expertise der Kriminologen Susann Prätor, Yvonne Krieg und Dirk Baier veröffentlicht, in der Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik und Dunkelfeldbefragungen zur Kriminalität in Deutschland verglichen werden. Die Autoren untersuchen insbesondere Gewaltdelikte und betonen, dass registrierte Fälle nicht mit gerichtlich festgestellten Straftaten gleichzusetzen sind.

    Das Wichtigste in Kürze
    • Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Tatverdächtige und der Polizei bekannt gewordene Fälle; ein Tatverdacht bedeutet keinen Schuldspruch.
    • Eine niedersächsische Jugendbefragung von 2024 zeigte Unterschiede im selbstberichteten Gewaltverhalten nach Staatsangehörigkeit; der Befund bezieht sich auf diese Stichprobe und die dortige Gewaltdefinition.
    • Die Autoren verweisen auf Anzeigeverhalten, Alter, Geschlecht und soziale Lage bei der Interpretation von Unterschieden.

    Was die Polizeiliche Kriminalstatistik abbildet

    In der Expertise bezeichnet der Begriff Hellfeld die Taten, die der Polizei bekannt und in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erfasst werden. Das Dunkelfeld umfasst begangene, aber nicht polizeilich registrierte Taten, die unter anderem durch Befragungen erforscht werden. Die Autoren führen an, dass rund 90 % der registrierten Delikte durch Anzeigen bekannt werden, wobei die Anzeigebereitschaft je nach Konstellation variiert.

    Die PKS erfasst Tatverdächtige, nicht rechtskräftig verurteilte Personen. Unterscheidungskriterium ist die Staatsangehörigkeit: Personen ohne deutschen Pass werden als „nichtdeutsch“ geführt, unabhängig davon, ob sie in Deutschland geboren oder zugewandert sind. Dies ist nicht gleichbedeutend mit einem Migrationshintergrund.

    Nach PKS-Daten für 2025 wurden Bewohner ohne deutsche Staatsangehörigkeit bei Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße bezogen auf 100.000 Einwohner ab acht Jahren rund 2,6-mal häufiger als Tatverdächtige registriert als deutsche Staatsangehörige. Dieses Verhältnis bezieht sich auf eine spezifische PKS-Kennzahl und bildet nicht alle tatsächlich verübten Straftaten ab. Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass bei ausländerrechtlichen Delikten definitionsgemäß nur Personen ohne deutschen Pass als Täter infrage kommen.

    Ergebnisse der Dunkelfeldbefragung unter Jugendlichen

    Zur Untersuchung des Dunkelfelds nutzen die Autoren Daten des Niedersachsensurveys 2024 mit 9.202 Jugendlichen bei einem Durchschnittsalter von rund 15 Jahren. Die Angaben beruhen auf Selbstauskünften. Beim verwendeten Gewaltindex berichteten 8,6 % der deutschen und 13,8 % der nichtdeutschen Jugendlichen von mindestens einem Gewaltereignis in den letzten zwölf Monaten — ein Verhältnis von etwa 1,6.

    Dieser Befund bezieht sich auf die befragten Jugendlichen in Niedersachsen und lässt sich nicht auf die gesamte Bevölkerung übertragen. Der Index umfasst auch leichtere Gewalthandlungen und deckt sich nicht mit den schweren Gewaltdelikten der PKS.

    Beim Vergleich der PKS-Daten für männliche Jugendliche ohne deutschen Pass und deutsche männliche Jugendliche liegt das Ausgangsverhältnis bei Gewaltdelikten bei 3,5. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Anzeigequote sinkt dieser Wert auf 1,7. Es handelt sich hierbei um eine modellhafte rechnerische Anpassung der Autoren auf Basis von Umfragedaten.

    Erklärungsansätze der Autoren

    Die Autoren nennen mehrere zusammenwirkende Faktoren: Alters- und Geschlechtsstruktur, die soziale Lage sowie Unterschiede in der Anzeigewahrscheinlichkeit. Laut Niedersachsensurvey bejahten Jugendliche ohne deutschen Pass häufiger gewaltbefürwortende Einstellungen, jedoch traf dies nur auf eine Minderheit der Befragten zu; die Autoren werten dies nicht als Merkmal einer gesamten Kultur oder Herkunftsgruppe.

    Die Befunde beschreiben Unterschiede in polizeilichen und Umfragedaten, belegen jedoch nicht, dass Nationalität oder Zuwanderung an sich die Ursache von Kriminalität sind. Die Werte 2,6, 1,7 und 1,6 beziehen sich auf unterschiedliche Messgrößen, Datenbasen und Gruppen und dürfen daher nicht gleichgesetzt werden.


    Informationsquellen

    Alle Nachrichten