Medizinische Notfallhilfe in Deutschland: Wo anrufen und hingehen

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    Plötzliche Erkrankungen, akute Anfälle oder traumatische Verletzungen in einem fremden Land verursachen verständlicherweise großen Stress. In Deutschland existiert ein klar strukturiertes medizinisches Notfallsystem, in dem jede Dringlichkeitsstufe durch eine eigene Telefonnummer und spezifische Abläufe geregelt ist.

    Express-Leitfaden: Wenn Sie nur 2 Minuten Zeit haben
    • Szenario „Unmittelbare Lebensgefahr (Herzinfarkt, Bewusstlosigkeit, schwerer Unfall)“: Wählen Sie sofort die 112 – der Anruf ist von jedem Telefon aus kostenlos. → Notruf 112
    • Szenario „Hohes Fieber, akute Schmerzen nachts oder am Wochenende“: Wenden Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. → Bereitschaftsarzt 116 117
    • Szenario „Ernsthafte Verletzung, aber gehfähig oder transportfähig“: Begeben Sie sich in die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses. → Notaufnahme im Krankenhaus
    • Szenario „Dringend benötigte Medikamente nachts oder sonntags“: Finden Sie die nächstgelegene diensthabende Notdienstapotheke über aponet.de. → Notdienstapotheken
    • Wichtigster Warnhinweis: Rufen Sie den Rettungsdienst 112 niemals für die Ausstellung einer Krankschreibung – vorsätzlicher Notrufmissbrauch ist strafbar (§ 145 StGB). Bei aufrichtigem Verdacht auf Lebensgefahr ist der Einsatz für Sie jedoch immer kostenlos. → Kostenübernahme Rettungsdienst

    Lebensgefahr: Notruf 112 (Rettungsdienst)

    Die Telefonnummer 112 ist der einheitliche europäische Notruf. In Deutschland erreichen Sie darüber den Rettungsdienst, den Notarzt sowie die Feuerwehr.

    Der Anruf ist gebührenfrei und funktioniert von jedem Mobiltelefon aus – auch ohne eingelegte SIM-Karte oder Guthaben.

    Wann Sie die 112 wählen müssen:

    • Anzeichen eines Herzinfarkts (starker Enge- oder Druckschmerz im Brustkorb, Ausstrahlung in linken Arm, Hals oder Kiefer, kalter Schweiß);
    • Anzeichen eines Schlaganfalls (plötzliche Gesichtslähmung, Schwäche oder Taubheit in Armen/Beinen, verwaschene Sprache oder Sprachverlust);
    • Bewusstlosigkeit, Ohnmacht oder epileptische Krampfanfälle;
    • Akute Atemnot, Erstickungsgefahr oder schwere allergische Reaktionen (Anaphylaxie);
    • Schwere Verletzungen nach Stürzen, Verkehrsunfällen oder Stich- und Schusswunden;
    • Unstillbare, massive Blutungen.

    Die „5-W-Regel“ beim Notrufgespräch mit der Leitstelle:

    1. Wo?: Genauer Einsatzort, Ortsteil, Straße, Hausnummer, Stockwerk, Name auf dem Klingelschild, Zufahrtswege.
    2. Was?: Kurze Beschreibung der Notlage (bewusstlose Person, Atemstillstand, Sturz aus großer Höhe).
    3. Wie viele?: Anzahl der verletzten oder betroffenen Personen.
    4. Welche?: Art der Verletzungen oder akuten Symptome.
    5. Warten!: Niemals als Erster auflegen! Warten Sie ab, ob der Disponent Rückfragen hat oder lebensrettende Anleitung zur Wiederbelebung (Telefonreanimation) gibt.

    Dringende Hilfe ohne Lebensgefahr: Nummer 116 117

    Besteht eine akute Erkrankung ohne direkte Lebensgefahr, und die reguläre Praxis Ihres Hausarztes ist geschlossen (abends, nachts, mittwochnachmittags, an Wochenenden und Feiertagen), wählen Sie die Rufnummer 116 117.

    Dies ist der bundesweite ärztliche Bereitschaftsdienst, koordiniert von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (116117.de).

    Wann Sie die 116 117 anrufen:

    • Hohes Fieber über 39 °C, schwere Grippesymptome, Schüttelfrost;
    • Akute Harnwegsinfekte oder starke Rückenschmerzen (Hexenschuss);
    • Heftige Magen-Darm-Beschwerden mit anhaltendem Erbrechen oder Durchfall;
    • Akute Ohrenschmerzen bei Kindern am Wochenende.

    Funktionsweise des Bereitschaftsdienstes:

    • Medizinische Ersteinschätzung: Ein qualifizierter Mitarbeiter erfasst Ihre Symptome strukturiert anhand medizinischer Standards.
    • Bereitschaftspraxis: Ihnen wird die Adresse der nächstgelegenen geöffneten Notfallpraxis mitgeteilt, die Sie eigenständig aufsuchen können.
    • Fahrdienst: Ist ein Patient aufgrund seines Zustands nicht transportfähig (z. B. immobile ältere Menschen oder hohes Fieber), schickt die Leitstelle einen Bereitschaftsarzt direkt zu Ihnen nach Hause.

    Notaufnahme im Krankenhaus

    Die Notaufnahme (auch Rettungsstelle oder Notfallaufnahme) eines Krankenhauses ist für Patienten mit schweren akuten Erkrankungen oder Verletzungen vorgesehen, die eigenständig oder per Taxi in die Klinik gelangen können.

    Typische Vorstellungsgründe in der Notaufnahme:

    • Verdacht auf Knochenbrüche oder schwere Gelenkverrenkungen;
    • Klaffende Wunden oder Schnittverletzungen, die genäht werden müssen;
    • Gehirnerschütterung nach Kopfverletzung mit Übelkeit, Schwindel oder Erbrechen;
    • Akute, unklare und anhaltende Bauchschmerzen (Verdacht auf Blinddarmentzündung).
    Ersteinschätzung und Triage-System

    In deutschen Notaufnahmen gilt das international standardisierte Triage-System (Manchester-Triage-System). Die Behandlung erfolgt nicht nach der Reihenfolge des Eintreffens, sondern strikt nach medizinischer Dringlichkeit. Wenn Sie mit einer Fingerverstauchung warten und zeitgleich Schwerverletzte eintreffen, kann Ihre Wartezeit 2 bis 5 Stunden betragen. Bringen Sie bitte stets Ihre elektronische Gesundheitskarte (eGK) und einen Ausweis mit.


    Notdienstapotheken: Notdienstapotheke

    In Deutschland sind Apotheken an Sonn- und Feiertagen geschlossen und beenden ihren regulären Betrieb an Wochentagen meist gegen 18:00 bis 19:00 Uhr. Für dringende Fälle steht jedoch ein rotierender Notdienst bereit.

    • Apotheken-Notdienstsuche: Über das offizielle Portal aponet.de/notdienstsuche finden Sie durch Eingabe Ihrer Postleitzahl (PLZ) oder Stadt sofort die aktuell geöffnete Notdienstapotheke in Ihrer Umgebung.
    • Notdienstgebühr: Außerhalb der regulären Öffnungszeiten (werktags ab 20:00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen) wird eine gesetzliche Notdienstgebühr von 2,50 Euro erhoben. Wurde das Medikament auf einem ärztlichen Rezept mit dem Vermerk „noctu“ (nächtlich) verschrieben, übernimmt die Krankenkasse diesen Zuschlag.

    Spezifische Notdienste

    1. Giftnotruf (Giftinformationszentren): Bei Verschlucken von Haushaltsreinigern, Chemikalien, giftigen Pflanzen oder Überdosierung von Arzneimitteln wenden Sie sich sofort an das zuständige regionale Giftinformationszentrum (z. B. Berlin: 030 19240, München: 089 19240, Bonn/NRW: 0228 19240). Die vollständige Übersicht aller Notrufzentralen finden Sie auf gesund.bund.de/notfallnummern.
    2. Zahnärztlicher Notdienst: Bei unerträglichen akuten Zahnschmerzen, Abszessen oder Zahnunfällen am Wochenende finden Sie die diensthabende Praxis online über die Suche „Zahnärztlicher Notdienst [Stadt]“.

    Finanzielle Seite: Wer den Rettungsdiensteinsatz bezahlt

    Viele Migranten fürchten unbezahlbare Rechnungen für den Einsatz von Rettungswagen oder Notarzt.

    • Gesetzliche Kostenübernahme: Krankentransporte und Notfalleinsätze sind gesetzlich geregelt (§ 60 SGB V). Handelt es sich um einen medizinisch begründeten Notfall, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse (GKV) die Einsatzkosten vollständig.
    • Gesetzliche Zuzahlung: Volljährige Versicherte zahlen lediglich den gesetzlichen Eigenanteil von 10 Euro gemäß § 61 SGB V. Diese Zuzahlungsrechnung wird Ihnen nachträglich per Post zugestellt.
    • Keine Strafen bei gutgläubigem Irrtum: Haben Sie in aufrichtiger Sorge um das Leben eines Angehörigen die 112 gerufen, und die Ärzte stellen später eine harmlose Ursache fest, drohen Ihnen keinerlei Kosten oder Strafen.
    • Vorsätzlicher Notrufmissbrauch: Wer den Notruf mutwillig oder zum Scherz alarmiert (Missbrauch von Notrufen), macht sich gemäß § 145 StGB strafbar und muss mit Geldstrafen oder einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr sowie der Übernahme der gesamten Einsatzkosten rechnen.

    Übersichtstabelle: Was tun im Notfall

    Symptome und DringlichkeitsstufeAnlaufstelleRufnummer / Zugang
    Herzinfarkt, Schlaganfall, Bewusstlosigkeit, schwere Atemnot, PolytraumaRettungsdienst & Notarzt112 (rund um die Uhr)
    Hohes Fieber, akute Schübe chronischer Leiden, Grippe am WochenendeÄrztlicher Bereitschaftsdienst116 117 (außerhalb der Sprechzeiten)
    Verdacht auf Fraktur, tiefe Schnittwunde, GehirnerschütterungNotaufnahme (Notaufnahme)Eigene Anfahrt zur nächsten Klinik
    Akute Zahnschmerzen am SonntagZahnärztlicher NotdienstSuche Zahnärztlicher Notdienst
    Verdacht auf Vergiftung mit Chemikalien oder ArzneienGiftnotruf (Giftnotruf)Regionalzentrale oder gesund.bund.de
    Dringend benötigte Arznei nachtsNotdienstapothekeAbfrage auf aponet.de

    Offizielle Hilfs- und Beratungsstellen

    Rechtlicher Hinweis (Rechtsberatung)

    Die Inhalte auf Nodia dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle medizinische Notfallbehandlung oder Rechtsberatung (keine Rechtsberatung im Sinne des RDG). Bei akuter Lebensgefahr verständigen Sie unverzüglich die offiziellen Rettungsdienste:

    • Bundesgesundheitsportal Deutschland: Offizieller behördlicher Leitfaden für Notrufnummern und Notfallversorgung (gesund.bund.de/notfallnummern).
    • Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117: Patientenberatung und Vermittlung diensthabender Praxen bundesweit (116117.de).
    • Notdienst-Suchportal der Apotheken: Offizielle Suchplattform der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (aponet.de).

    Informationsquellen